Drei Fragen an Monika Düker zum Tag der humanitären Hilfe

· Flüchtlingspolitik

Drei Fragen an Monika Düker zum Tag der humanitären Hilfe

19. August 2015

Flüchtlingskrise: „Hilfe wird dringend gebraucht“

Die Flüchtlingskrise an Europas Grenzen spitzt sich immer weiter zu, nach neuesten Prognosen des Bundesinnenministers werden in diesem Jahr in Deutschland rund 800.000 Menschen Asyl beantragen – davon etwa 170.000 in NRW. In ganz Deutschland zeigen sich viele Menschen solidarisch. Sie engagieren sich für Geflüchtete, heißen sie willkommen und ermöglichen ihnen einen Neustart in einem fremden Land. Anlässlich des diesjährigen Welttages der humanitären Hilfe am 19. August 2015 sprechen wir mit Monika Düker, unserer flüchtlingspolitischen Sprecherin, über die Situation der zu uns Geflüchteten und die Hilfe, die jedeR leisten kann:

Wie schätzt du die Situation der nach NRW Geflüchteten zurzeit ein?

Wichtig ist mir, dass wir die Situation in NRW im globalen Zusammenhang sehen: Weltweit sind nach aktuellen Schätzungen etwa 60 Millionen Menschen auf der Flucht. So viele wurden noch nie gezählt. Kriege, politische und wirtschaftliche Krisen, durch den Klimawandel verloren gegangene Lebensgrundlagen, Diskriminierung und Verfolgung zwingen Menschen, ihre Heimat zu verlassen und anderswo neu zu beginnen. Viele von ihnen hoffen auf Sicherheit und Arbeit in Europa und insbesondere in Deutschland. Doch nur ein Bruchteil der weltweit Flüchtenden kommt tatsächlich hierher. In diesem Jahr erwarten wir bundesweit rund 800.000.

Für NRW heißt das, dass etwa 170.000 Menschen zu uns kommen. Das können wir als Land und Gesellschaft mit Sicherheit bewältigen, die Herausforderung ergibt sich aber gerade für Städte und Kommunen durch die sprunghafte Entwicklung der letzten Jahre. Seit 2012 haben sich die Flüchtlingszahlen jährlich verdoppelt, in diesem Jahr werden sie sich voraussichtlich im Vergleich zum Vorjahr verdreifachen. Trotz aller Probleme bin ich nach wie vor davon überzeugt, dass wir die derzeitige Lage meistern werden. Die zu uns Geflüchteten brauchen besonderen Schutz und gerade unter den momentan schwierigen Bedingungen müssen  wir ihnen so gut es geht helfen.

Was plant die Landesregierung, um den Geflüchteten noch besser helfen zu können?

Derzeit ist die Unterbringungsfrage das vorherrschende Thema. Es geht also zu allererst darum, den Menschen, die zu uns kommen, ein Dach über dem Kopf zu bieten. Außerdem müssen wir es schaffen, eine ordentliche Aufnahme mit medizinischer Untersuchung und humaner Versorgung zu gewährleisten. Wir dürfen uns jedoch nicht auf Krisenmanagement beschränken, sondern müssen den Menschen Perspektiven aufzeigen. Deswegen sind wir dabei, die Leistungen für und Rechte von Geflüchteten auszubauen. Dies gilt  insbesondere in der Bildung, wo wir kontinuierlich  Stellen für Lehrkräfte schaffen. Wir planen auch weitere Integrationsmaßnahmen, um den Menschen ihren Start in NRW zu erleichtern. Minderjährige, die ohne Begleitung zu uns kommen, sollen von den Jugendämtern zukünftig unter verbesserten Bedingungen untergebracht und versorgt werden. Wir arbeiten also an vielen Stellen gleichzeitig. Gerade wir  GRÜNE wollen aber nicht nur der aktuellen Entwicklung ‚hinterher  laufen‘, sondern haben klare Vorstellungen und Positionen, wie wir den Geflüchteten in Deutschland helfen können.

Viele Menschen in NRW leisten bereits humanitäre Hilfe und  engagieren sich für Geflüchtete in Deutschland. An wen können sich Menschen wenden, die sich engagieren möchten?

Die große Hilfsbereitschaft und die überall in NRW aktiv gelebte Willkommenskultur sind Beispiele humanitärer Hilfe im wörtlichen Sinne. Ich bin wirklich stolz auf meine Mitmenschen. Viele geben nicht nur  ehrenamtlich Sprachunterricht oder spenden Kleidung, sondern stellen sich auch überall dort rechten Tönen entgegen, wo gegen Menschen gehetzt wird, die bei uns Schutz suchen.

Es gibt viele Möglichkeiten sich einzubringen, sei es dadurch Geflüchtete bei Behördengängen zu unterstützen oder die Willkommensfeste zu organisieren. In vielen Kommunen haben sich bereits Initiativen gegründet, andere sind gerade dabei. Auch Einzelpersonenengagieren sich mit Unterstützung der sozialen Träger. In Düsseldorf haben wir beispielsweise eine Flüchtlingsbeauftragte, die auch Ansprechpartnerin für ehrenamtliches Engagement ist. In anderen Kommunen funktioniert die Koordinierung des Ehrenamtes anders. Ein guter erster Ansprechpartner ist immer der Flüchtlingsrat NRW, der einen Überblick über die Initiativen vor Ort geben kann. Auch auf einigen Internetseiten lässt sich nach Projekten und Hilfsmöglichkeiten in der eigenen Region suchen, z.B.: wie-kann-ich-helfen.info.